Die roten Stiefel

Erneute Suche nach dem Sinn des Lebens

Seitdem ich meine Praxis für Tierphysiotherapie aufgegeben hatte, trieb mich immer wieder eine Sorge um: „Was ist denn nun der Sinn meines Lebens? Wozu bin ich überhaupt noch nütze? Was soll ich tun, um im großen Alleins noch von Nutzen zu sein? Wer sagt mir das? Wo erfahre ich das?“
Rastlos kreisten diese Fragen immer wieder in meinem Kopf.

Hatte ich doch zuvor gedacht, es sei meine Bestimmung, Tiere zu heilen und alle meine Bemühungen in diese Richtung gelenkt. Erst das Studium, dann der Versuch in der Kleintiermedizin Fuß zu fassen, dann schließlich 10 Jahre später der erneute Versuch, durch eine weitere Ausbildung zur Tierphysiotherapeutin und Gründung einer eigenen Praxis.

Und doch gelang er eben nie, dieser Traum vom Heilen der Tiere. Immer kam irgendetwas dazwischen:
Etwa ein halbes Jahr vor Abschluss des Studiums die Diagnose mehrerer Tierhaarallergien. Ich studierte trotzdem weiter.

Dann das Scheitern in der freien Praxis. Ich sagte immer, es habe an den Allergien gelegen, in Wahrheit lag es aber an meiner Angst. An der Angst, etwas falsch zu machen. In dieser Wissenschaft, in der angeblich alles so klar und logisch ist, und in der man angeblich nur genug lernen muss, um alles richtig zu machen.
Erst Jahre später begriff ich, dass meine Angst, meine Unsicherheit vollkommen richtig war. Dass Medizin eben eine lückenhafte Angelegenheit ist, und dass ich vollkommen recht hatte, mich so unwissend zu fühlen, trotz allen Lernens und dass alle anderen, die so taten, als wüssten sie alles, lediglich ihre Unwissenheit verdrängten, bzw. überspielten.

Später dann das Scheitern meiner eigenen Praxis, nun nicht mehr im Gebiet der Schulmedizin, sondern im Bereich der Tierphysiotherapie. Daran war dann nicht mehr die Angst vor meiner Unwissenheit schuld, aber die Angst, mich zu zeigen, mich hervor zu tun, mich bemerkbar zu machen.

Kurz bevor ich die Praxis schloss und den Traum beruflich Tiere zu heilen endgültig an den Nagel hängte überkam mich nämlich folgender Gedanke:
Das was Du bisher gedacht und verfolgt hast, das Heilen von Tieren, kann nicht Deine Bestimmung sein, wenn es so schwer ist, es zu erreichen. Da stimmt etwas nicht. Man sagt immer, dass alles, was sein soll, so leicht geht. Und das hier, das geht so schwer, das kann nicht der richtige Plan sein.

Und so war es denn auch nicht weiter verwunderlich für mich, dass seit ich beschlossen hatte, die Praxis zu schließen, alles wie von selbst lief. Keine Hindernisse mehr, nur noch Erfolge bei der Auflösung, ich bekam sogar noch Dinge verkauft, so dass sich die Verluste in verschmerzbaren Grenzen hielten.

Allerdings verspürte ich schon eine gewisse Kränkung darüber, dass es so leicht ging, meinen Traum und meiner derzeitigen Vorstellung vom Sinn meines Lebens in die Tonne zu treten.
Und nun war dieser vermeintliche Sinn eben fort. An den Nagel gehängt. Weg. Und ich stand alleine da.
Ich und die Sorgen: „Was ist denn nun der Sinn meines Lebens? Wozu bin ich überhaupt noch nütze? Was soll ich tun, um im großen Alleins noch von Nutzen zu sein? Wer sagt mir das? Wo erfahre ich das?“

Eine Werbung

Eines Tages bekam ich über facebook eine Werbung eines
Schuhhandels geschickt, den ich schon länger auf Empfehlung einer Bekannten, in meine Kontakte aufgenommen hatte. Ein Unternehmen, was sich der ökologischen Produktion und dem ökologischen Vertrieb von Schuhen verschrieben hatte.
Immer mal wieder hatte ich auf der Webseite dieses Ladens geschmökert und mir die wunderschönen Schuhe angesehen, die aber immer viel zu teuer waren.
Und die, die nicht zu teuer waren, standen mir eh nicht.
Und die, die mir gestanden hätten, hatten zu hohe Absätze, auf denen ich sowieso nicht gehen konnte.
Und…
Und…
Und…
Nie hatte ich etwas bestellt, obwohl ich die Schuhe zum großen Teil zum Sterben schön fand.
An diesem Tag nun kam eine Werbung zu mir, in der eine große Abbildung von feuerroten Stiefeln prangte.
Wunderschön!!
Hätte ich die Fähigkeit, Schuhe zu designen, SO hätten die ausgesehen!!
Ich war begeistert!
Aber der Preis! Und dann noch in rot! Rot steht mir so überhaupt nicht!
Ich nahm also die Werbung zur Kenntnis und – immerhin – postete die bei facebook, um andere darauf aufmerksam zu machen.

Ritual weiße Eule und das Orakel

Zwei Tage später war ich Gast auf einer Veranstaltung bei einer guten Bekannten. Das Ritual der weißen Eule.
Ich nahm zum zweiten Mal an diesem Ritual teil.
Beim ersten Mal hatten mir das Ritual und die Eule sehr geholfen, auf meinem persönlichen spirituellen Weg ein großes Stück weiter zu kommen.
Und nun erhoffte ich mir eine weitere Hilfe, dass ich vielleicht Antwort oder wenigstens Denkanstöße bekäme, auf meine bohrenden Fragen über das Warum? und Wohin? etc.

Das Ritual der weißen Eule war, wie immer, wundervoll! Ich genoss es in vollen Zügen, auch wenn ich, wie ich meinte, nicht den Hauch einer Antwort oder eines Denkanstoßes bekam.

Statt dessen bekam ich eine Ankündigung, dass nämlich der Schamane Adrian, der der menschliche Akteur des „weiße Eule-Rituals“ ist, mir ein Orakel machen solle.

Und dann erinnere ich mich an noch ein Detail, während des Rituals: Mir kamen immer wieder diese roten Stiefel in den Sinn, die ich in der Werbung gesehen hatte.
Ich schalt mich innerlich dafür, mich bei einem so schönen Ritual durch so etwas profanes wie diese dämlichen Stiefel ablenken ließ. Aber daran sollte ich mich dann erst viel später wieder erinnern.

Noch am selben Abend erhielt ich dann ein Orakel vom lieben Adrian.
Alle Dinge die er sagte machten einen gewissen Sinn in meinen Augen und im Zusammenhang mit meinen Lebensumständen zu diesem Zeitpunkt.
Er sprach von Heilung und von Gelassenheit und einem Höhepunkt. Dass meine Sorgen um die Materialisierung meiner inneren Welt nachlassen würden. „So??“, dachte ich, „Damit ist wohl die Praxis gemeint. Haha! Aber was ist mit meinen Fragen???“ Nichts.

Statt dessen kam noch ein Hinweis, dass in fernerer Zukunft noch eine „Veränderung meiner materiellen Heimat“ anstünde.
„Na Bingo!“, dachte ich, „nicht auch noch das. Umzug wohlmöglich oder so was…bloß nicht!!“

Die Bestellung

Es dauerte noch genau zwei weitere Tage, bis ich, einem nun sehr stark gewordenen Impuls folgte und die roten Stiefel bestellte.
Da sie mir nicht mehr aus dem Kopf gingen, dachte ich , ich könnte sie mir ja mal ansehen und dann auch zurückschicken, weil sie ja eben rot sind, und weil rot mir ja nicht steht, und überhaupt so auffällig ist und nur noch mehr auf meine zu dicken Waden hinweist und sowieso sind die ja so teuer. Und hatte ich die hohen Absätze schon erwähnt? Das ist ja der Segen des Versandhandels, dass man in Ruhe schauen kann, und dann…… – zurückschicken.
Gedacht, getan: ich bestellte.
Und weil ich ja nun gerade mal dabei war, bestellte ich, ebenfalls im Versand auch noch einen knielangen Rock, der, wie mir eine Eingebung einflüsterte, wunderbar zu den Stiefeln passen würde.
Natürlich würde ich den Rock nicht anziehen! Nur mal so, zum Schauen. Wie so was zu den Stiefeln aussehen würde. Ein knielanger Rock! Also bitte! Zu meinen Waden?? Niemals. Klar! Zurückschicken! Der Segen des Versandhandels eben!

Wieder lief alles extrem glatt. Die Schuhe waren innerhalb von zwei Tagen da. Der Rock ein paar Tage später.
Beides war allerliebst!! Ich war begeistert. Wunderschön!
Aber, ich musste beides zurückschicken. Den Rock, weil er zu groß war, die Stiefel, weil sie einen kleinen Defekt an einem Absatz hatten.

Erleichtert packte ich alles wieder in die Kartons und sendete die Sachen zurück.
Ich dachte mir, dass es bestimmt Wochen dauern würde, bis die Ersatz-Stiefel kämen. Und dass ich bis dahin immer noch genügend Zeit hätte, zur Vernunft zu kommen. Weil ja die Stiefel eh viel zu teuer wären. Und eben rot. Und die Waden nicht zu vergessen.


Neulieferung oder Schuhe machen doch glücklich

Heute, 14 Tage später, kamen die Ersatz-Stiefel an.
Der Morgen begann vielversprechend. Nach einem Infekt und 3 Tagen hohen Fiebers wachte ich zum ersten Mal wieder erholt nach langem Schlaf auf. Das Fieber war weg und ich war zwar noch etwas wackelig auf den Beinen, spürte aber schon wieder etwas Tatendrang in mir aufsteigen.
Ich machte mich auf den Weg zum morgendlichen Spaziergang mit den Hunden. Wir hatten eine tolle Zeit auf den feuchten Altweiber-Sommer-Morgenwiesen und als wir wieder nach Hause kam, prangte da das Paket vom Schuhversand.
Doch keine Wochen später! Gerade mal 14 Tage, von denen mir eine Woche gar nicht aufgefallen war, weil ich ja krank und mit Fieber auf der Nase gelegen hatte.

In dem Moment, wo ich das Paket in meine Hände nahm, überflutete mich eine derartige Welle des Glücks, wie ich sie bisher nur selten erlebt habe.
Sofort schalt ich mich: „Wegen SCHUHEN!! Ich bitte Dich!!!“, und innerlich schüttelte ich den Kopf über mich.
Trotzdem siegte das Kind im mir und ich raste mit dem Paket nach oben, riss es auf und zog die roten Stiefel sofort an.
Oh wie war das schön, die anzuziehen!! Die passten wie angegossen! Wie für mich gemacht!! Und die Farbe!! Soooo wunderschön!
Es war, als verschmolzen sie mit meinen Füßen, als ich sie anzog. Und gleichzeitig setzte sich eine Kaskade von Ideen und Gedanken in meinem Kopf in Gang:

Ein neuer Rock, ein ganzes Gewand und eine Webseite

Der Rock dazu müsste ja nicht von dem Versandhandel sein, den ich gewählt hatte. Vielleicht ein anderer?
Nein! Besser noch: lass ihn Dir nähen, von der guten Bekannten, der Waldfee! Dunkelblau soll er sein und knielang! Und dann passt der auch hervorragend zu Deinem Umhang! Den musst Du fertig machen! Das Bild fertig filzen! Und wenn die Waldfee den Rock fertig genäht hat, dann musst Du da auch noch ein Bild drauf nähen, aus Stoffresten!!

Und tanzen sollst Du mit diesen Stiefeln, tanzen, tanzen, TANZEN!!!

Und DAS ist der Sinn Deines Lebens: GLÜCKLICH SEIN und FREI!

Und….erzähle den Leuten davon! Lass sie hören, wie man glücklich und frei wird, wie man Fesseln eine nach der anderen abwirft, wie man lernt zu tanzen und wie man mit jedem Tag ein kleines Stückchen freier werden kann!

Es gibt so viele, die das nicht wissen!!
Du hast doch noch die alte Webseite, die Du vor Jahren mal angelegt hast und nie gepflegt!! Mach sie neu!

Erzähle von Dir, von Deinen Lehrern, von Deinen Tieren, von Deinen Fesseln, von Deinem Glück…

…und von den roten Stiefeln!

…nun: die alte Website ist es nicht geworden, dafür aber diese neue 😉

4 Antworten auf Die roten Stiefel

  1. schamanca sagt:

    Liebe Sîdwen, gerade diese Geschichte spricht mich sehr an, so habe ich es auch oft erlebt. Genau wie die Einleitung „das ist keine Übung“ . Ich wünsche Dir auf Deinem Weg viel hilfreiche und lehrreich, aber auch schöne und freudvolle Erlebnisse.

    • Hagrida sagt:

      Liebe Schamanca,

      ganz herzlichen Dank für Deine Worte und Dir gratuliere ich zum ersten Kommentar auf dieser Seite :-D!
      Die Art der Geister in „DIES IST KEINE ÜBUNG“ ist sicherlich auch eine Reaktion der Geister auf meine konsequente „Schwerhörigkeit“ ;-).

  2. Seija sagt:

    Super, Irene! Ich weiss noch, wie ich bei euch im Wohnzimmer saß, als die Stiefel kamen! Ich glaube, das war der Sauna-Tag? Auch die Geschichte von Deinen Ahnen hat mich sehr berührt…..weiter so, bringt Spaß, Dir zu folgen!

  3. Hagrida sagt:

    Liebe Seija,
    zu selten schaue ich wohl hier, ob jemand etwas gepostet hat und darum hat es mit meiner Antwort so lange gedauert.
    Mich berührt Dein Besuch sehr, bist Du doch die erste aus meiner Familie, die einen Blick „hinter die Kulissen“ wirft ;-).
    Deiner Mutter hätte ich es auch gerne gezeigt….aber sie weiß davon, da bin ich sicher 🙂

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