Herbst

HERBST (09.10.2012) (Danke weiser Freund!)

Wieder einmal Herbst.

Die Tage werden kürzer. Und dunkler. Wieder einmal erstarrt mein Inneres. In Furcht vor dem Dunkel, in Angst vor der Angst.

Ich spüre, wie die klammen Finger des Vergehens nach mir greifen.

Oktober.

Bald ist November und dann fängt das Sterben an.

Morgens ist es schlimmer. Nichts scheint mehr Farbe zu haben im Dämmern und die Dunkelheit gibt auch keine Perspektive frei.

Morgens ist es am Schlimmsten. Und so sitze ich, an meiner Tasse Kaffee fest gekrallt und durchforste alte Texte. Auf der Suche nach einem Anker, auf der Suche nach einem Halt.

Die Kälte in meinen Gliedern drängt mich immer wieder zu den dunklen Texten und mein Mut sinkt immer mehr.

Und dann – plötzlich – bleibt mein Auge haften an einem Wort im Titel: „Chat“.
Ich kann mich nicht erinnern, an diesen Text und schaue aus Neugier hinein:

„du
bist es wer zu leben
du lebst
du bist geboren
von unvollkommenen eltern
als unvollkommenes mädchen
als unvollkommene partnerin
als unvollkommene
und jetzt?
du bist

du bist, weil eltern dich durchgebracht haben
wie auch immer
du lebst, weil es menschen gab, die dich nicht sterben liessen
du bist da, weil es menschen gibt, die da sind
auch wenn du das nicht wirklich wahrnimmst

wo ist das feuer? deines?
wo ist das wasser? deines?

du bist, wer du bist. Nicht mehr, nicht weniger. Und das ist absolut genug
wir können nicht mehr sein als das, was wir jetzt grad sind“

Ich wische mir eine Träne aus dem Augenwinkel.
Es schmerzt, also lebe ich.
Ich nehme mir vor, dem Weisen einen Brief zu schreiben, mich zu bedanken für seine Worte, die mich 1,5 Jahre nachdem er sie schrieb, aufgefangen haben.

Und dann gehe ich, mich an den Farben des Herbstlaubes berauschen und meine Feuer wieder zu entfachen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.